Kindheitstraumen

Verletzungen im Kindesalter – Kindheitstraumen

 

Kindheitstraumen - HeilAkad-Blog Beitrag

Unter dem Begriff „Kindheitstraumen“ sind die emotionalen und / oder physischen Verletzungen im Kindesalter zu verstehen. Dabei reicht das Spektrum von Mikro-Traumen bis hin zu extremen Traumatisierungen.

 

 

Der Grad der Traumatisierung hängt von dem Ausmaß und der Tiefe der Verletzung, der Dauer, den Wiederholungen und vom Grad des Ausgeliefert-Seins ab.

Nur wenige Traumatisierungen werden in dem  Zeitraum, in dem sie stattfanden, bekannt.

Ein Teil der traumatisierten Kinder erinnert sich im Erwachsenenalter an die erlebten Verletzungen.

Die meisten Menschen aber, die in ihrer Kindheit intensiven traumatisierenden Einwirkungen ausgesetzt waren, haben keine Erinnerungen an das Vorgefallene. Wobei diese Aussage nicht ganz stimmt, denn meist fehlen nur die mentalen Erinnerungen – der Körper hingegen, erinnert sich sehr genau.

In manchen Fällen ist das Körperempfinden ebenfalls abgespalten. Das ist häufig ein Zeichen dafür, dass traumatisierende Erlebnisse der Vergangenheit unter Verschluss gehalten werden.

Die aus Traumen heraus entstehenden Symptome der Erwachsenen werden häufig nicht als Folge von Kindheitstraumen erkannt.

Trauma auslösende Faktoren in der Kindheit:

  • Chronische familiäre Disharmonie mit / ohne Gewalt
  • Trennung / Scheidung der Eltern
  • Emotionaler oder körperlicher Missbrauch
  • Sexueller Missbrauch
  • Emotionale oder körperliche Misshandlung
  • Emotionale oder körperliche Vernachlässigung
  • Gewalttätigkeiten der Mutter oder den Geschwistern gegenüber (die das Kind miterlebt)
  • Alkohol oder Drogenmissbrauch von Bezugspersonen
  • Psychische Erkrankungen der Eltern / Bezugspersonen

Traumen können willentlich oder unwillentlich, bewusst, halb-bewusst oder unbewusst gesetzt werden. Wobei die Grenzen fließend sind.

Täter und Opfer

Bei gewollt und bewusst gesetzten Verletzungen sind die Täter ohne Mitgefühl. Die Art des Umgangs mit dem Opfer ist das Mittel der Befriedigung bewusster oder unbewusster Antriebe. Die Art des Antriebs entsteht dabei aus der persönlichen Geschichte des Täters, beziehungsweise dessen Familiengeschichte.

Täter haben häufig die Tendenz die Verantwortung für ihr Handeln von sich zu weisen. Dann rechtfertigen sie sich oft dadurch, dass sie dem Kind die Schuld an den Vorgängen zuweisen, indem sie z.B sagen.: „…du bist selbst schuld. Wärst Du gehorsam gewesen, hätte  ich dich nicht prügeln müssen.“  Sexuelle Übergriffe werden häufig gerechtfertigt durch Sätze wie: „Das Kind wollte es ja so“.

Solche und ähnliche Aussagen, machen das Kind nicht nur zum hilflosen Opfer, sondern vermitteln ihm zusätzlich, dass es sein Leid selbst verursacht, beziehungsweise den Täter dazu gebracht habe, sich so zu verhalten.

Damit die Tat des Täters nicht ans Licht kommt, drohen Täter ihren kindlichen Opfern furchtbare Strafen an, falls sie über das Vorgefallene sprechen. Das hat zur Folge, dass das Kind bei niemandem Hilfe suchen kann und möglicherweise erneuten Traumatisierungen hilflos ausgeliefert ist.

Meist sind aktiv verletzende Täter, frühere Opfer, die einzig aus ihrem Überlebenstrieb (Stammhirn) heraus agieren. Die höher entwickelten Gehirnteile (Limbisches System und Neocortex) scheinen  – durch die früher durchlittenen Gewalterfahrungen – weitgehend inaktiv zu sein, so dass der Überlebenstrieb nicht ausreichend moduliert werden kann und die Gewalt weiterhin in die Welt gebracht wird – nach dem Motte: „Fressen oder gefressen werden“

 

Verletzungspotenzial in Familien

In Familien kommen physische und psychische Verletzungen in allen Formen und allen Abstufungen vor.

Eltern – die Kinder von gestern

Nicht gewollte Verletzungen der Kinder geschehen häufig im Familienalltag – zum Beispiel durch gestresste Eltern, streitende Eltern und Ungerechtigkeiten – oder die Eltern sind nicht einfühlsam, vertreten starre Erziehungsprinzipien, die den Kindern nicht gerecht werden.

Strafende Eltern wollen verletzen, denn das Kind soll durch die Verletzung lernen. Das gleiche Prinzip gilt für bemächtigende und manipulierende Eltern. Sie wollen das Kind mit allen Mitteln zur Räson bringen.

Verletzungen die im Halbbewusstsein erfolgen, sind der wohl meist verbreitete Umgang mit Kindern.
Darunter fällt zum Beispiel das Ausagieren von psychischen Inhalten, die weder verarbeitet, noch an die richtige Adresse gebracht werden können.

Ein Beispiel:

Die gestresste Mutter kommt am späten Nachmittag von der Arbeit nach Hause und ihre ersten Worte zu ihrem 8-jährigen Sohn sind in scharfem Ton gesprochen:

„Kannst Du denn nicht zur Tür kommen – wenn du schon hörst, dass ich nach Hause komme – und mir die Einkäufe abnehmen?“

Kind: „… aber du hast doch gar nicht geklingelt!“

Mutter: „Sitzt du denn auf deinen Ohren, dass du nicht hörst wenn ich die Türe aufschließe!? Aber wahrscheinlich warst du einfach wieder einmal mit deinen blöden Computerspielen beschäftigt. Was will man denn schon von jemandem verlangen, der nichts anderes als diese dummen Spiele im Kopf hat.
Jetzt mach doch endlich die Eingangstüre zu! Du siehst doch, dass ich die Hände voll habe!“

In diesem Dialog klagt die Mutter das Kind mit jedem Wort an, obwohl es, oberflächlich betrachtet, so aussieht als würde sie Fragen stellen.

Würde die Mutter auf solch eine Szene angesprochen, könnte sie versucht sein, sich ins rechte Licht zu setzen, indem sie ihren Sohn „opfert“: „Mein Gott, Sie wissen ja gar nicht, es ist immer dasselbe mit dem Jungen. Er hört einfach nicht, tut nie was man ihm sagt. Ich geh zur Arbeit, mache den Haushalt, muss dann das Essen vorbereiten; und genau dann kommt er mit seinen Hausaufgaben. Kann er die denn nicht am Nachmittag machen. Er hat doch genügend Zeit!“

Kinder  – Eltern von morgen

Dies mag sich alles nicht sehr spektakulär anhören.
Für das Kind ist diese Form des Umgangs jedoch vernichtend, da die Mutter von Anfang an gegen das Kind ist, und dem Kind darüber hinaus noch suggeriert, dass sie deshalb verstimmt sei, weil das Kind nicht richtig ist.

Sätze die mit  „Kannst du denn nicht… „, „musst du schon wieder… „, „hast du immer noch nicht…“, „wenn du schon mal… “ beginnen, sind dazu da, ein Gefälle zwischen den interagierenden Personen zu erzeugen, wobei der Sprecher „der Große“ ist und der Andere zum „Kleinen“ wird. Wer dies nicht durchschaut, kann sich dem kaum entziehen, sondern verfängt sich in Erklärungen und Rechtfertigungen.

Je häufiger diese Art der Kommunikation stattfindet, um so mehr glaubt das Kind, dass es nicht richtig sei, ungenügend und dumm. Es meint, wenn es sich richtig verhielte, dann würde es geliebt. Es kann nicht erkennen, dass die Mutter, einfach nur ihren Unmut – vielleicht über ein Ereignis an ihrem Arbeitsplatz – an dem Kind ausagiert.

Im Erwachsenenalter könnte dieses Kind dann dazu neigen, die eigenen Kinder ebenso zu behandeln, in dem Versuche einen Teil des verlorenen Selbstwertes wieder zu erlangen.

Merke:      Eltern können nur das geben, was sie selbst zur Verfügung haben!
—– ———Und  Eltern können lernen und sich weiter entwickeln!

 

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